Mit 53 nochmal bei null angefangen: Wie Carsten Heiermann Clean E Solartechnik aufgebaut hat
Er hat ein Softwareunternehmen aufgebaut, verkauft und anschließend mit 53 Jahren nochmal ganz von vorne angefangen. Diesmal im Handwerk. Heute beschäftigt seine Firma Clean E Solartechnik in Remscheid rund 40 Mitarbeiter.
Für die erste Folge meines neuen Podcasts FEIERABEND – Der Podcast aus dem Handwerk war ich bei Carsten Heiermann, Gründer von Clean E Solartechnik, zu Gast.
Wir haben über seinen ungewöhnlichen Weg ins Handwerk gesprochen, über Wachstum, Mitarbeiterführung, Fehler und die Frage, wie man aus einem kleinen Handwerksbetrieb ein Unternehmen aufbaut, das irgendwann auch ohne den Gründer funktioniert.
Und ich fand besonders spannend, dass Carsten ursprünglich gar nicht vorhatte, nochmal ein größeres Unternehmen aufzubauen.
Vom internationalen Softwaregeschäft zurück aufs Dach
Carstens Geschichte beginnt eigentlich schon lange vor Clean E.
Er hat Elektrotechnik studiert und bereits während seines Studiums im Handwerk gearbeitet. Nach seinem Abschluss ging es für ihn allerdings erst einmal in eine ganz andere Richtung: in die Softwarebranche.
Dort gründete er sein erstes Unternehmen, baute es über rund 20 Jahre auf und war mit Standorten unter anderem in Berlin, London und San Francisco international tätig.
Irgendwann verkaufte er das Unternehmen an eine größere Softwarefirma und arbeitete anschließend noch mehrere Jahre in einer internationalen Managementposition.
Doch irgendwann war für ihn Schluss mit Software.
Er begann, sich intensiv mit Photovoltaik zu beschäftigen. Zunächst aus rein technischem Interesse. Er las sich in Themen ein, tauschte sich in Foren aus und beantwortete irgendwann selbst die Fragen anderer.
Bis die ersten Leute auf ihn zukamen und wissen wollten, ob er nicht auch ihre Photovoltaikanlage bauen könnte.
Dabei hatte Carsten schon viele Jahre zuvor einen ganz anderen Gedanken gehabt:
„Wenn ich meine Karriere noch mal starten könnte, würde ich im Handwerk anfangen.“
Und irgendwann stellte er sich die Frage, warum er damit eigentlich bis zum nächsten Leben warten sollte.
Angefangen hat alles mit drei Leuten auf dem Dach
Also gründete Carsten mit 53 Jahren noch einmal ein Unternehmen.
Am Anfang stand er selbst mit zwei Mitarbeitern auf dem Dach und montierte Photovoltaikanlagen.
Kein großer Verwaltungsapparat, keine riesige Unternehmensstruktur und zunächst auch kein ausgefeilter Wachstumsplan.
Die ersten Aufträge kamen vor allem durch Empfehlungen. Ein zufriedener Kunde empfahl ihn an den nächsten weiter. So entstanden nach und nach immer mehr Projekte.
Etwa ein halbes Jahr ging das so.
Dann kam allerdings etwas zurück, das Carsten aus seiner früheren Laufbahn bestens kannte: sein Unternehmergeist.
Er merkte, dass aus dem kleinen Betrieb deutlich mehr werden könnte.
Also setzte er sich wieder an den Schreibtisch, holte Excel heraus und schrieb einen Zehnjahresplan.
Warum ausgerechnet ein Zehnjahresplan?
Diese Frage habe ich Carsten im Podcast natürlich gestellt. Ich selbst plane meistens eher in kürzeren Zeiträumen.
Seine Antwort fand ich ziemlich nachvollziehbar.
Carsten war bei der Gründung 53 Jahre alt. Zehn Jahre später wäre er 63. Und wenn eine spätere Übergabe oder ein Verkauf noch einige Jahre dauern würde, wäre er irgendwann Ende 60.
Für ihn war deshalb von Anfang an klar, dass er ein Unternehmen aufbauen wollte, das nicht dauerhaft von seiner eigenen Person abhängig ist.
Dazu gehören nicht nur Umsatz und Wachstum, sondern auch klare Strukturen, Führungskräfte und Mitarbeiter, die eigenständig Verantwortung übernehmen.
Sein Plan sah unter anderem ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 33 Prozent in den ersten sieben Jahren vor.
Aus der ursprünglichen Photovoltaikfirma entwickelte sich so nach und nach ein Unternehmen mit weiteren Bereichen, darunter Wärmepumpen und Dachdeckerei.
Heute arbeiten dort rund 40 Menschen.
Wachstum klingt gut. Ist aber nicht immer einfach.
Ein Thema, über das wir länger gesprochen haben, war das Wachstum eines Handwerksbetriebs.
Denn mehr Aufträge bedeuten nicht automatisch, dass auch mehr Umsatz entsteht.
Carsten bringt das im Gespräch ziemlich gut auf den Punkt:
„Umsatz ist erst, wenn fertig ist.“
Und genau da liegt eine der großen Herausforderungen.
Wenn ein Handwerksbetrieb wächst, braucht er nicht nur neue Kunden, sondern auch genügend qualifizierte Mitarbeiter, um die Aufträge abzuarbeiten.
Mit jedem zusätzlichen Mitarbeiter verändern sich wiederum die Anforderungen an Planung, Organisation und Führung.
Carsten erzählt auch ganz offen davon, dass nicht jede Personalentscheidung funktioniert hat. Manchmal entwickelt sich eine Führungskraft anders als erwartet. Manchmal verlässt jemand das Unternehmen, um sich selbstständig zu machen.
Dann müssen Aufgaben neu verteilt und Strukturen wieder aufgebaut werden.
Auch das gehört zum Unternehmertum.
Mitarbeitergewinnung und Sichtbarkeit im Handwerk
Natürlich haben wir auch über ein Thema gesprochen, das aktuell viele Handwerksunternehmen beschäftigt: Mitarbeiter finden und langfristig halten.
Gerade in der starken Wachstumsphase musste Clean E schnell zusätzliche Leute gewinnen.
Anfangs waren darunter viele Helfer. Mit der Zeit wurde es allerdings immer wichtiger, gezielt qualifizierte Fachkräfte einzustellen.
Carsten erzählt im Podcast, welche unterschiedlichen Wege das Unternehmen dafür genutzt hat: persönliche Empfehlungen, Mitarbeiterprämien, direkte Kontakte und schließlich auch Social Media.
Besonders interessant fand ich seine Einschätzung zu den Videos, die direkt auf den Baustellen entstehen.
Denn dort stehen keine Schauspieler vor der Kamera. Es sind die echten Mitarbeiter, die bei ihrer täglichen Arbeit zu sehen sind. Und manchmal entstehen dabei auch ziemlich lustige Situationen.
Genau diese Authentizität gefällt ihm.
Für die gezielte Mitarbeitergewinnung nutzt Clean E darüber hinaus die Unterstützung einer weiteren Agentur, die unter anderem Recruiting‒Anzeigen und die Vorqualifizierung von Bewerbern übernimmt.
Was im Gespräch ebenfalls deutlich wird: Sichtbarkeit entsteht nicht durch eine einzige Maßnahme.
Clean E ist in Remscheid unter anderem mit Firmenfahrzeugen, Außenwerbung und Social Media präsent. Gleichzeitig spielen Empfehlungen von Kunden eine wichtige Rolle.
Für mich zeigt das ziemlich gut, wie verschiedene Marketingmaßnahmen ineinandergreifen können.
Nicht alles läuft nach Plan
Was mir an unserem Gespräch gefallen hat: Carsten erzählt nicht nur von den Dingen, die gut funktionieren.
Wir haben auch über Fehler gesprochen.
Zum Beispiel über die Digitalisierung des Betriebs. Trotz seiner langjährigen Erfahrung in der Softwarebranche hat Clean E bei der Auswahl einer Unternehmenssoftware nicht immer richtig gelegen.
Teilweise mussten Prozesse sogar wieder auf Papier umgestellt werden, weil die eingesetzte Lösung im Arbeitsalltag nicht wie erhofft funktioniert hat.
Dazu kommen Herausforderungen, die viele Handwerksunternehmer kennen dürften: Lieferengpässe, kurzfristige Änderungen auf Baustellen, steigender Organisationsaufwand und die Frage, wie man Wachstum finanziell vernünftig abbildet.
Denn ein wachsender Betrieb braucht nicht nur mehr Mitarbeiter, sondern auch mehr Material, Fahrzeuge, Lagerfläche und Liquidität.
Was ich aus dem Gespräch mitgenommen habe
Ich spreche durch meine Arbeit regelmäßig mit Geschäftsführern und Mitarbeitern aus dem Handwerk. Trotzdem finde ich es immer wieder interessant, wie unterschiedlich Unternehmen entstehen und sich entwickeln.
Bei Carsten fand ich vor allem drei Dinge spannend.
Erstens, dass er mit 53 nochmal etwas komplett Neues angefangen hat, obwohl er beruflich bereits sehr viel erreicht hatte.
Zweitens, dass er nicht einfach nur wachsen möchte, sondern von Anfang an darüber nachdenkt, wie das Unternehmen langfristig funktionieren soll.
Und drittens, dass er trotz seiner Erfahrung ziemlich offen darüber spricht, wenn etwas nicht funktioniert hat.
Genau solche Geschichten möchte ich mit FEIERABEND. erzählen.
Keine perfekten Erfolgsgeschichten, bei denen angeblich immer alles richtig gelaufen ist. Sondern Gespräche mit Menschen, die Unternehmen aufbauen, Entscheidungen treffen, Fehler machen und daraus lernen.
Jetzt die komplette Podcast‒Folge ansehen
In der ersten Folge von FEIERABEND. – Der Podcast aus dem Handwerk sprechen Carsten und ich ausführlich über seinen Weg, die Entwicklung von Clean E Solartechnik, Mitarbeitergewinnung, Führung und die Herausforderungen beim Unternehmenswachstum.
Über FEIERABEND ‒ Der Handwerker Podcast
FEIERABEND ist ein Podcast von Manuel Wiemann, Gründer von WIEMEDIA. Ich spreche mit Unternehmern, Gründern und Menschen aus dem Handwerk über ihre Geschichten, Entscheidungen und die Herausforderungen hinter dem eigenen Betrieb.
Die Gespräche entstehen direkt vor Ort in den Unternehmen.
Manuel Wiemann
Geschäftsführer bei Wiemedia
Ich bin Manuel Wiemann, Gründer von WIEMEDIA. Mit meiner Agentur unterstütze ich vor allem Handwerksunternehmen dabei, durch Social Media sichtbarer zu werden, neue Mitarbeiter anzusprechen und Vertrauen bei potenziellen Kunden aufzubauen.
Dabei geht es mir nicht darum, irgendwelche Videos zu produzieren, nur damit regelmäßig etwas auf Instagram erscheint. Ich möchte zeigen, was hinter den Unternehmen steckt. Die Menschen, die jeden Tag auf den Baustellen stehen, die Geschäftsführer, die Verantwortung übernehmen, und die Geschichten, die im normalen Arbeitsalltag oft untergehen.
Deshalb bin ich mit meiner Kamera regelmäßig direkt in den Betrieben und auf den Baustellen unterwegs. Gemeinsam entwickeln wir Inhalte, die nicht gestellt wirken, sondern zeigen, wie die Unternehmen wirklich arbeiten.